Ausblick auf ein Jubiläum

ULLSTEIN 2027

Interview mit Geoffrey Layton, Dramaturg und Regisseur, Übersetzer der Buchpublikation Das Haus Ullstein und Nachfahre von Leopold Ullstein

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Herr Layton, am 06. September 1826, vor etwas mehr als 200 Jahren, wurde der Verlagsgründer Leopold Ullstein geboren, eine der bedeutendsten deutschen Verlegerpersönlichkeiten – Ihr Ur-Ur-Großvater. Sie haben nicht nur die wichtigen und aufschlussreichen Erinnerungen seines Sohnes, Ihres Urgroßonkels Hermann Ullstein Das Haus Ullstein übersetzt. Sie selbst sind Teil der Geschichte. Geboren und aufgewachsen in New York, gewechselt nach Berlin, wo Sie lange Jahre mit dem Regisseur Luc Bondy zusammengearbeitet haben. Als Dramaturg, Regisseur und Herausgeber sind Bühnen und Bücher für Sie mehr als ein vertrautes Terrain. Was bedeutet Berlin für Sie, Ihre Familiengeschichte, Ihre Arbeit?

Manchmal wundere ich mich darüber, dass ich der Stadt Berlin so treu geblieben bin. Ich habe sie zwar mit anderen Städten betrogen, aber ich behielt immer mein Zuhause in Berlin. Ich glaube, die Vorfahren beanspruchen und prägen mich. Sowohl die mütterlichen als auch die väterlichen. Sie haben zur gleichen Zeit in Berlin ihr Glück gemacht, in den Gründerjahren. David Levin in der Konfektion. Leopold Ullstein im Verlagswesen. Ich bewundere ihre unternehmerische Kraft. Und ich liebe sowohl das eine wie das andere Gewerbe. Ich aber habe die Welt von einer ganz anderen Seite gesehen. Für mich war die Welt eine Bühne. Und Alles was darauf geschah war erfunden. Ich fand mein Glück woanders.

Phoebe Kornfeld, Buchautorin von Passionate Publishers und Enkelin des Publizisten Kurt Kornfeld, charakterisiert ein Erlebnis ihrer Berliner Zeit vom Anfang der 1990er Jahre mit dem Shakespeare Wort „What’s past is prologue.“ Können Sie für sich von einem vergleichbaren Schlüsselerlebnis sprechen oder von einer Episode?

Das Konzipieren von Programmheften, die zu meiner Zeit, als die Theater noch sehr viel mehr Geld hatten, sehr aufwendig gestaltet wurden. Die Auswahl von Texten und Bildern. Die Anordnung. Das Verhältnis von Text und Bild. Es hat mir große Freude bereitet.  Sowohl an der Schaubühne in Berlin, als auch im Theatre de la Monnaie in Brüssel unter Gerard Mortier. In den Münchner Kammerspielen und im Akademietheater in Wien. Vielleicht regte sich da das Verleger-Blut meiner Vorfahren in mir.

Und um den Bogen weiter zu spannen: Eine Familien- und Unternehmergeschichte dieser Dimension schlägt sich dauerhaft nieder in einer Haltung zur Welt.

Kein Pathos. Nüchternheit ist die Geisteshaltung der Ullsteins, die sich durch alle Generationen bemerkbar macht. 

Bei Ullstein ist eine Reihe der innovativsten Zeitungs- und Zeitschriftenpublikationen entstanden: Uhu, Tempo, Die Dame, Querschnitt, Berliner Illustrirte Zeitung und viele andere mehr. Welche Ullstein-Publikationen gehören aus Ihrer Sicht zu den bemerkenswertesten?

Ich liebe Die Dame und den Querschnitt. Sie sind originell. Frei und kreativ. Ein Lay-out, das heute noch überraschen kann.

Im nächsten Jahr steht ein weiteres Ullstein-Jubiläum auf dem Kalenderblatt: 150 Jahre nach Gründung des Verlags durch Leopold Ullstein in Berlin. Mit welchen Gedanken blicken Sie angesichts dieser Zahl in die Zukunft?

Es ist Geschichte. Eine abgeschlossene Geschichte. Das Druckgewerbe, die Zeitungen, die Bücher, sie sind auf eine Weise Auslaufmodelle. Deswegen fände ich es angebracht, einen öffentlichen Ort einzurichten, an dem man diese Entwicklung nachvollziehen kann. Wo Alt und Jung sich austauschen und voneinander lernen. Denn der bleibende Wert dieser Geschichte ist unstrittig und wird uns auch in Zukunft beschäftigen. Ich denke an nur eines der Geheimnisse des Erfolgs von Ullstein: die permanente Innovation.

Was verbindet sich für Sie mit der fotografischen Sammlung Ullstein bei ullstein bild?

Ich habe mein Leben lang immer wieder den Bildnachweis mit Freude zur Kenntnis genommen. Eine großartige Sammlung.

Herr Layton, vielen Dank für dieses Gespräch!

 

Fragen: Dr. Katrin Bomhoff, ullstein bild collection.

Erstveröffentlichung am 31. Oktober 2026.

In der Galerie sehen Sie eine Auswahl von Originalfotografien der fotografischen Sammlung Ullstein in Berlin.

Das Fotodossier zum Thema finden Sie bei ullstein bild.